Qualitätssicherungssystem in Fahrschulen Brief an 6000 Fahrschulen
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!
Nachfolgenden Brief mit Rückantwortkarte haben wir an 6000 Fahrschulen im Bundesgebiet versandt. Falls Sie keinen Brief erhalten haben, haben Sie hier die Möglichkeit, uns Ihre Meinung mit dem beigefügten Fragebogen mitzuteilen. Bitte unbedingt absenden und andere Kollegen darauf aufmerksam machen! Besten Dank.
Brieftext:
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!
Das Fass läuft über!
Nicht genug, dass wir unsinnige Unterschriften leisten, unnötige Formulare verwalten, im Computerzeitalter zusätzlich alles auf Papier ausdrucken müssen, werden gewählte Vertreter von Fahrlehrerverbänden zur Zeit nicht müde, uns begreiflich zu machen, dass wir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein bestimmtes Qualitätssicherungssystem brauchen, um uns von den so genannten schlechten Kollegen abzuheben. Das würde bedeuten, dass jeder, der sich nicht für eine Qualitätssicherung entscheidet, schlecht ist (ein gutes Verkaufsargument). Mit einem Qualitätssiegel ist man – glaubt man den Vorstellungen dieser Herren – vor der schlechten Konkurrenz sicher. Die so genannten schlechten Kollegen werden aber mit dem Spruch „Staatlich überwachte Fahrschule“ werben. Für die meisten Bürger wird dies die höchste Qualität bedeuten, mehr Wirkung haben als ein Siegel eines Verbandes und es wird wesentlich billiger sein.
Böse Zungen behaupten, ein Qualitätssicherungssystem wäre eine Lizenz zum Geld drucken. Aber sicher nicht für die Fahrlehrer, denen es immer schlechter geht, obwohl sie sich ständig fort- und weiterbilden. Aber kaum haben sie sich weitergebildet, z.B. zum Seminarleiter, wird die kostenpflichtige Überwachung mit Einverständnis unserer Berufsvertreter ausgeweitet, welch ein Misstrauensantrag an uns.
Was haben diese gewählten Berufsvertreter eigentlich getan, um die jetzige vorhersehbare, zum Teil Existenz gefährdende Situation von den Fahrlehrern abzuwenden und die Verkehrssicherheit zu garantieren? Mindestgebühren, wie sie andere Berufe haben, Mindeststundenzahlen in der Grundausbildung wie bei Klasse D, die den Druck von der Fahrlehrerschaft nehmen würden und qualitätsfördernd wären, sind anscheinend nicht diskutabel aber ein Qualitätssicherungssystem, das uns den Preis XX plus die Summe XX für die Nachbetreuung, falls der Autitor beanstandet, plus die Summe XX für das Nachaudit und das wiederkehrend kostet, sollen wir haben. Gott sei Dank müssen wir nicht.
Mal ehrlich! Ist die staatliche Überwachung wie bisher wirklich so schlecht oder wird sie nur von bestimmten Verbandsvertretern schlecht geredet, um uns das von uns nicht geforderte Qualitätssicherungssystem schmackhaft zu machen? Auch wenn diese jetzt damit werben, dass die staatliche Überwachung wegfällt, wenn sich der Fahrschulinhaber für ein bestimmtes Qualitätssicherungssystem entscheidet, lässt sich dies dem § 34 Abs. 4 FahrlG nicht entnehmen. Es ist fragwürdig, ob ein Qualitätssicherungssystem die staatliche Überwachung ersetzen kann. Angesichts des klaren gesetzlichen Auftrages nach § 33 Abs. 1 FahrlG und der Bedeutung der Fahrschulüberwachung für die Verkehrssicherheit vgl. KG VRS 42,231;OLG Celle VRS 66, 478 kann einer Qualitätssicherung allenfalls eine die staatliche Überwachung unterstützende Funktion zukommen. Die Behörden werden auf eine eigene Überwachung nicht verzichten können. Der Fahrlehrer muss also mit doppelter Überwachung, in jedem Fall mit höheren, zum Teil unüberschaubaren Kosten rechnen.
Einen Vorgeschmack über den Ablauf einer Zertifizierung erleben derzeit die Kollegen in den Bundesländern, in denen die ASF- und ASP-Seminare überwacht werden. Diese Art der Überwachung ist in manchen Bundesländern in Zusammenarbeit mit etablierten Fahrlehrer¬verbänden erarbeitet worden und in einigen Punkten recht fragwürdig. Allein das Vorschreiben eines bestimmten Handbuches erscheint verfassungswidrig. Wie uns Kollegen berichteten, gibt es keine pädagogischen Freiheiten wie Abweichen vom Handbuch (eigentlich nur einen Leitfaden mit einem sehr guten Konzept). Der Ablauf wird exakt vorgeschrieben, wenn es nicht so läuft, hagelt es Maßnahmen und das nächste Seminar wird wieder - selbstverständlich gebührenpflichtig – überwacht. Genauso wird die Zertifizierung ablaufen. Nur, dass dann auch noch unsere Kunden bezüglich unserer Arbeit mit einem Fragebogen befragt werden.
Wir sollten keine Angst vor der staatlichen Überwachung haben, die mehr bei der pädagogischen Prozessqualität ansetzt und nicht wie bisher bei der Strukturqualität. Wir tun, was wir können und sind auch bereit, uns fort- und weiterzubilden. Aber wir, die wir einmal einen Beruf erlernt haben und in ein paar Wochen Fahrlehrer geworden sind, müssen nicht besser, genauer gesagt nicht annähernd so gut sein wie Pädagogen mit Staatsexamen. Wenn der Gesetzgeber dies gewollt hätte, wäre unsere Ausbildung länger und intensiver bezüglich Pädagogik gewesen. Nur das würde dann eine intensivere Überwachung in diesem Bereich rechtfertigen. In jedem Fall wird man die Meßlatte, solange die Fahrlehrer nicht eine längere Ausbildung oder einen Studiengang absolvieren, nicht allzu hoch hängen können und so lange sollten wir die staatliche Überwachung in der bisherigen Form beibehalten. Falls diese zu hoch angesetzt wird, können wir uns mit rechtlichen Mitteln (Widerspruch, Klage) wehren. Die Interessenverbände Deutscher Fahrlehrer e.V. werden Sie dabei unterstützen.
Die meisten von uns haben, obwohl sie auf Grund der hohen Konkurrenzintensität dem Wettbewerb voll ausgeliefert waren, in Punkto Verkehrssicherheit Hervorragendes geleistet und gut ausgebildet. Um dieses zu erreichen, musste nicht selten das Familienleben zurückstehen. Als Dank haben wir mit Einverständnis bestimmter Fahrlehrerverbände mehr Unterschriften, mehr Formulare, mehr kostenpflichtige Überwachungen geerntet. In Bayern wird gerade die kostenpflichtige ASF + ASP-Überwachung vorbereitet, der Interessenverband Deutscher Fahrlehrer e.V. ist der Meinung, dass die bisherige Überwachung ausreicht. Obwohl es bald mehr Fahrschulen als Fahrschüler gibt, hat man als Zugabe noch die Lehrmodelle abgeschafft, um den Zugang zum Unternehmen Fahrschule zu erleichtern. Es bewegt sich ständig etwas, aber anscheinend nicht zum Wohl der Fahrschulinhaber und der daraus resultierenden Verkehrssicherheitsarbeit. Warum werden wir von Vertretern der Fahrlehrerverbände eigentlich nicht befragt, was wir wollen? Wohl weil diese Herren es besser wissen, was wir brauchen und was uns (oder ihnen) gut tut. Oder hat man uns gefragt, als man die Entwicklung des Qualitätssicherungssystems in Auftrag gegeben hat und die kostenpflichtigen Überwachungen eingeführt hat? Wir sollten einmal prüfen, ob diese Herren eventuell in bestimmten Betreuungs-, Service- und Beratungsgesellschaften für Fahrschulen (Vertrieb von Lehrmaterialien, Handbüchern, Qualitätssicherungssystemen) als Geschäftsführer zu finden sind.
Der junge Fahrlehrerverband Interessenverband Deutscher Fahrlehrer e.V. hat es sich zum Ziel gesetzt, die Fahrlehrer (Mitglieder und Nichtmitglieder) zu befragen. Die Ergebnisse werden den Ministerien vorgetragen. Manche Ministerien sehen das gar nicht so gern, wohl weil man keinen Kritik übenden Verband gebrauchen kann und schon gar keinen, der seine Erkenntnisse durch Umfragen gewinnt. Wenn Sie nicht zu den Jasagern gehören und mit uns etwas bewegen wollen, senden Sie bitte beiliegenden Fragebogen an uns zurück. Je mehr Rückläufer wir haben, um so mehr werden wir für Sie bei den Ministerien erreichen. Manche Verbände triumphieren alleine dadurch, dass gute Menschen diese zwar finanziell unterstützen, aber Nichts unternehmen, auch wenn Ihre Interessen nicht vertreten werden. Wichtige Informationen für Ihren Fahrschulbetrieb könnten Fahrschulinhaber auch kostenlos erhalten. (www.fahrlehrerweiterbildung.de).
Vertreter von Berufsverbänden, die unsere Ausbildung schlecht reden, die Gängeleien und Misstrauensanträge mittragen, dürfen nicht länger unsere Fürsprecher bei den Ministerien sein. Die große Masse der Fahrlehrer ist leider nicht organisiert. Bitte schauen Sie nicht weiter zu, wie eine Minderheit für sich in Anspruch nimmt, alle Fahrlehrer bei den Ministerien zu vertreten! Wir verstehen Ihren Frust. Nun haben Sie die Möglichkeit, sich mit uns zu wehren.
Den Fragebogen hierzu finden Sie auf der Startseite Rubrik Fahrlehrerpost in der Ausgabe 05-2005 auf Seite 9
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